• Deborah Wagner

Endlosigkeit

Aktualisiert: 10. Dez 2020


Auch das ist ein Wort, welches - für mich - einhergeht mit dem grenzlosen Sein der Fremde. Der Eindruck, dass die Weite meiner Umwelt bis in die Unendlichkeit reicht.


Dieses Gefühl erlangte mich als ich zum ersten Mal seit Jahren an einem südländischen Strand stand. Wahnsinn, wer hätte gedacht, dass einen die simpelsten Begebenheiten der Natur derart aus der Bahn werfen können.

Der Blick in die Ferne, der Himmel pastellfarben gemalt und der Sand umschmeichelt meine Füße.


Es ist unglaublich, dass ich beim Erblicken des Meeres jedes Mal wie ein kleines Kind aufgeregt: „Oh, schau mal – der Ozean!“, hervorbringen muss. Diese salzigen Gewässer scheinen für uns Menschen oft endlos, als würde nach Beginn dieser gewaltigen Kraft nie wieder Land in Sicht sein.

Dabei ist nichts endlos, nichts auf dieser Welt ist für die Ewigkeit bestimmt auch wenn, der Mensch stets versucht krampfhaft an dieser Illusion „Endlosigkeit“ festhalten zu wollen. Traurig aber, wahr.


Der Ozean und seine Weite gaben mir seit geraumer Zeit wieder das Gefühl als würde mir jemand: „Für immer“, in mein Ohr flüstern. „Bis in die Unendlichkeit und noch viel weiter“. Es hat sich gut angefühlt, zu gut. Vielleicht war gerade, dass der Grund weswegen sich dieser Spaziergang derart emotional gestaltete. Er ließ Erinnerungen und Gedanken fest gebunden an Gemütsbewegungen in mir auftauen. Er ließ Empfindungen auftauen an welche ich schon gar nicht mehr glaubte sie spüren zu können, auf diese Art spüren zu können.


Der Glaube des Menschen, dass solche Gefühlsregungen lediglich in Verbindung eines anderen Art gesinnten auftreten war auch mal meine Kontinuität.

Ich würde sogar behaupten, dass ich mir, gelegentlich, noch immer wünschte diese Endlosigkeit mit jemanden teilen zu können, vielleicht mag teilen in diesem Falle eine inkorrekte Wortwahl sein denn, ich ertappe mich oft dabei, mich nach dem „Immer“ in Person zu verzehren.


Doch gerade hier habe ich mich für eine Reisleine entschieden, eine letzte Notbremse, die mich daran hindert, sich in der Leere des Äons zu verlieren.


Die Grenzenlosigkeit des unendlich sein bietet Fülle, du musst nur bereit sein diese zu beschreiten und mir wird klar dies erreiche ich nicht mit oder gar durch eine Person, lediglich über mich, über mein sein als eigenständiges Individuum.

Wellenrauschen und das Wasser umarmt mich.

Ich fühle, ich fühle mich.

Der Ozean und seine Beständigkeit gaben mir die Bestätigung, nach welcher ich das letzte Jahr suchte. Es liegt nicht daran wer dir dieses Gefühl gibt, sondern woraus du dir diese Emotionalität ziehst. Suchst du diese in menschlicher Gestalt? – Oder findest du jene in einfachen Dingen, die dich umgeben, Gefühle, für die du selbst Verantwortung trägst, Umstände und Konstellationen, die du selbst bestimmen kannst





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